Geschichte der Stadt Oberhausen

Obwohl die Landgemeinde Oberhausen erst 1862 gegründet wurde und ihr die Stadtrechte erst 1874 verliehen wurden, lassen sich ihre Wurzeln doch weit in die Geschichte zurückverfolgen. Im Jahr 1188 wird das Kastell Holten erstmals erwähnt. Die Grafen von der Mark waren im Grenzstreit um den Ort Holten Sieger geblieben und stationierten dort Grenzwachen. So hat die heutige Nutzung als Versammlungs- und Übungsstätte der Schützengilde jahrhundertealte Tradition. Das erhaltene Kastell Holten ist aller Wahrscheinlichkeit nach der Ostflügel der vermutlich im 16. Jahrhundert erneuerten Hauptburg. In der für das Mittelalter typischen Form entwickelte sich im Schutze des Kastells eine Wohnsiedlung, die damalige Stadt Holten.

 

Zumindest bis zum Jahre 1600 läßt sich auch die Burg Vondern zurückverfolgen. So entstanden das Torgebäude und die südliche Wehrmauer spätestens im 16. Jahrhundert und zeigen mit den starken Mauern und Schießscharten sowohl den wehrhaften Zweck, wie auch spätgotische Zierformen in Gesimsen, Fenstern und Gewölben. Das Haupthaus wurde zur Zeit des Barock im späten 17. Jahrhundert gebaut. Dabei wurde eine ältere Fassade als jetzige Rückwand benutzt. Der heutige "Wassergraben" ist nur ein Rest der ursprünglichen Gräfte, deren Wasser infolge von Bergsenkungen immer wieder versickerte. Nachdem die Burg Vondern schon fast zur Ruine verfallen war, wurden die historischen Teile der Burg mit Hilfe von Bund, Land, Stadt und einem Förderkreis im Jahr 1995 gesichert.

 

Bereits im 18. Jahrhundert setzte sich im Raum Oberhausen die Industrialisierung auf der Grundlage der reichen Kohlenschätze und Raseneisenerze der Lipperheide durch. 1758 wurde die St. Antony-Hütte in Betrieb genommen. Genauer gesagt war es der 18. Oktober, als ein neun Meter hoher Hochofen am Elpenbach in Osterfeld angeblasen wurde und in einer sechswöchigen Produktionsphase die ersten seriengefertigten, auf Sandformen gegossenen Platten und Ambosse, Töpfe und Gitter die St. Antony-Hütte verließen. Die erste erzverarbeitende Produktionsstätte in dieser Region hatte ihre Arbeit aufgenommen. Hierin gründet sich der Ruf Oberhausens als "Wiege der Ruhrindustrie". 1782 folgten der St. Antony-Hütte die Eisenhütte Gute Hoffnung in Sterkrade und 1791 die Gründung der Eisenhütte Neu-Essen. Diese drei Hütten blieben aber nicht lange selbständig. Schon im Jahre 1808 wurden sie zur Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen zusammengefaßt.

 

Parallel kam es 1808 zum Neubau des Schlosses Oberhausen. Graf Maximilian Friedrich von Westerholt-Gysenberg beauftragte den Baumeister August Reinking. Der Neubau des Schlosses zeichnete sich durch eine klassizistische Backsteinfassade mit Mittelrisalit und Seitenflügeln aus. Die Anfänge des Schlosses gehen allerdings auf den Rittersitz Overhus zurück, der vermutlich im späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert entstand. Der Rittersitz Overhus war eine typische Wasserburg und war von zwei aus der Emscher gespeisten Gräben umgeben. Sie lag etwa 200 Meter emscheraufwärts vom jetzigen Schloß Oberhausen. Das heutige Schloß Oberhausen wurde nach Kriegsschäden im Zweiten Weltkrieg 1958 wieder originalgetreu nach den Plänen von A. Reinking mit zwei Seitenflügeln aufgebaut.

 

Nach dem Schloß Oberhausen benannte auch die Cöln-Mindener Eisenbahn den neu eröffneten Bahnhof Oberhausen 1846. Es lagen zwar keine größeren Ortschaften in der Nähe aber verschiedene Eisenhüttenwerke, Zinkhütten und chemische Fabriken, die auf den Eisenbahnverkehr angewiesen waren. Der erste Zug fuhr schließlich am 15. Mai 1847 in den Bahnhof Oberhausen ein.

 

Im Jahre 1874 wurde die Gemeinde Oberhausen dann zur Stadt erhoben und hatte zu diesem Zeitpunkt 18.000 Einwohner. 1929 kam es zu einer kommunalen Neugliederung bei der, aufgrund der immer engeren wirtschaftlichen Verflechtung der drei Kommunen Oberhausen, Osterfeld und Sterkrade zur Stadt Oberhausen zusammengeschlossen wurden.

 

Nachdem Oberhausen im Zweiten Weltkrieg stark getroffen worden war - es blieben etwa nur sieben Prozent der 53.209 Wohnungen unbeschädigt -, galt es erst einmal, den Wiederaufbau zu organisieren. Schon 1949 wurde das erste Theater im Revier in Oberhausen eingeweiht. Das Theater Oberhausen ist heute deutschlandweit für seine herausragenden Inszenierungen bekannt. Des weiteren wurde 1962 die Luise-Albertz-Halle, die sich nach aufwendiger Modernisierung im Oktober 2000 als multifunktionales Tagungs- und Veranstaltungszentrum Oberhausens präsentiert, eingeweiht.

 

Seit dem Niedergang von Kohle und Stahl seit Ende der sechziger Jahre haben sich in Oberhausen zukunftsträchtige Betriebe des Anlagen- und Maschinenbaus, der chemischen Industrie und der Elektrotechnik angesiedelt. Auch Film- und Fernsehtechnologie sowie Umwelttechnik (Technologiezentrum für Umweltschutz) sind in Oberhausen inzwischen beheimatet. Als Ausdruck des rasanten Strukturwandels der Region entstand Mitte der 1990er Jahre auf einer ehemaligen Industriebrache das größte Einkaufszentrum Europas, das CentrO, mit angrenzendem Freizeit- und Erlebnispark, Gastronomie, Veranstaltungshalle und Musical-Theater. Auf dem Gebiet der Kunst und Kultur ist Oberhausen auch durch die Internationalen Kurzfilmtage, eines der bedeutendsten Filmfestspiele der Bundesrepublik, bekannt. Außerdem befinden sich zahlreiche Museen und Ausstellungsorte - so zum Beispiel Gasometer, Ludwig Galerie Schloß Oberhausen und das Rheinisches Industriemuseum - in Oberhausen.