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Zum möglichen Versandhandelsverbot von Online-Apotheken

19.04.2017

Musterschreiben von Online-Apotheken-Kunden

In den letzten Tagen und Wochen haben mich viele Hundert Kunden mit Musterschreiben von der niederländischen Online-Apotheke „DocMorris“ zu einem möglichen Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln angeschrieben.

 

Hintergrund ist dabei ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) von Oktober 2016. Es besagt sinngemäß, dass der freie Warenverkehr in der EU eingeschränkt sei, wenn EU-ausländische Versandapotheken sich bei der Lieferung rezeptpflichtiger Arzneimittel nach Deutschland an die Arzneimittelpreisverordnung halten müssen. Gleichzeitig sind in Deutschland ansässige Apotheken – ganz gleich, ob es sich um Versand- oder Vor-Ort-Apotheken handelt, oder nicht – weiterhin an die Arzneimittelpreisverordnung gebunden und dürfen keine Rabatte auf verschreibungspflichtige Medikamente gewähren. Mit dem Ergebnis, dass ausländische Versandapotheken, wie das niederländische Unternehmen „DocMorris“, durch das Gerichtsurteil des EuGH zurzeit einen unfairen Wettbewerbsvorteil genießen.

 

Mit anderen Worten: Das Unternehmen „DocMorris“, hat durch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes einen entscheidenden einseitigen Wettbewerbsvorteil erlangt, indem es Preisnachlässe für rezeptpflichtige Medikamente gewähren darf, die inländischen Apotheken verwehrt sind. Damit kann das niederländische Unternehmen derzeit enorme Profite generieren, was Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe durch ein generelles Verbot des Versandhandels verschreibungspflichtiger Medikamente regeln möchte.

 

Dass die derzeitige Lage für die beteiligten Apotheken so nicht bestehen bleiben kann, ist verständlich. Allerdings wird nach einer akzeptable Lösung gesucht, die sowohl der Demographie, als auch der Digitalisierung unseres täglichen Lebens Rechnung trägt, ohne dabei den Service der Rund-um-die-Uhr-Notfallversorgung der örtlichen Apotheken aus den Augen zu verlieren.

 

Ich persönlich setze mich daher für eine marktorientiertere Regelung ein, die wieder Wettbewerbsgleichheit zwischen ausländischen Versand- und inländischen Präsenzapotheken herstellt ohne dabei den Versandhandel gänzlich zu verbieten.

 

 

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