Marie-Luise Dött MdB > Aktuelles > Nachrichten-Details

Netzwerk für Unternehmerfrauen

27.10.2016

Deutsches Handwerksblatt 27. Oktober 2016, Interview mit Marie-Luise Dött MdB

Sie wollte eine Plattform für die besonderen Anliegen von Frauen in mittelständischen Betrieben. Also gründete die CDU-Bundestagsabgeordnete Marie-Luise Dött die "Unternehmerfrauen im Mittelstand". Vor 16 Jahren war es etwas völlig Neues: Frauen aus dem Mittelstand – egal aus welcher Branche – treffen sich zum Austausch untereinander und mit der Politik. Heute hat sich die Arbeitsgruppe der "Unternehmerfrauen im Mittelstand" etabliert. Ihre Gründerin Marie-Luise Dött erinnerte bei der Bundesverbandstagung der Unternehmerfrauen im Handwerk an die Gründungszeit und erzählt im DHB-Interview von den Erfolgen: "Hin und wieder wurde Unsinniges auch verhindert."

 

DHB: Es gibt die Frauenvereinigungen der Parteien, die Unternehmerfrauen im Handwerk, die bundesweite Gründerinnenagentur usw. Trotzdem haben Sie 1999 die Arbeitsgruppe "Unternehmerfrauen im Mittelstand" gegründet – warum?

Dött: Ich wollte eine Plattform für die ganz spezifischen Anliegen und Probleme der Frauen in Unternehmen – egal, ob es sich um selbständige oder mitarbeitende handelt und egal, aus welcher Branche sie kommen. Das gab es bis dahin so nämlich nicht. Wir haben vor etwas mehr als 16 Jahren als ganz kleine Gruppe unter dem Dach der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT) angefangen. Seither ist der Kreis stetig gewachsen und hat sich aus der MIT herausgelöst. Wir treffen uns zweimal im Jahr zu einer Tagung in Berlin.

 

DHB: Was haben Sie bisher erreicht?

Dött: Die Unternehmerfrauen im Mittelstand sind ein Netzwerk. Bei den Tagungen referieren Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verbänden. Hier bündeln sich die Interessen, und es ist eine hervorragende Möglichkeit für "Berufspolitiker", durch die Unternehmerfrauen unmittelbare Rückmeldungen zu bekommen. Nicht selten wird uns der berühmte Spiegel vorgehalten. Aus dem Kreis der Unternehmerinnen sind nicht nur viele Initiativen angestoßen worden, als Stichwort kann ich Sozialversicherungspflicht mitarbeitender Familienangehöriger nennen, sondern hin und wieder wurde "Unsinniges" auch verhindert.

 

DHB: Zwar hat sich in den letzten Jahren der Frauenanteil im Handwerk etwas erhöht, so daß derzeit etwa jeder vierte Handwerksbetrieb von einer Frau geleitet wird. Allerdings ist dieser Anteil immer noch niedriger als in der Gesamtwirtschaft. Was raten Sie dem Handwerk, um den Frauenanteil zu steigern, auch jenseits der klassischen Frauenberufe?

Dött: Zuerst stellt sich die Frage, mit welchem Ziel ein erhöhter Frauenanteil in Leitungspositionen verbunden ist. Es ist gut für das Unternehmen und das gemeinsame Arbeiten, wenn Teams gemischt sind. Was die Führungsebene betrifft: Es gibt ganz sicher auch einen unterschiedlichen Stil, Betriebe zu leiten. Das hängt von der Persönlichkeit ab und manchmal auch vom Geschlecht. Allem voran plädiere ich aber für sachbezogene Besetzungen. Da stellt sich doch zuallererst die Frage: Wer kann was und wo besonders gut? Darüber hinaus liegt es an uns Frauen, das Zepter in die Hand zu nehmen – auch in Führungsdingen. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, daß ich von Quotierungen für Unternehmen – egal wie groß oder klein sie sind – nicht viel halte. Das endete in der Vergangenheit nicht selten als negatives Stigma. Bislang war die klassische Frauenförderung auch oftmals darauf ausgerichtet, die Unterschiede zwischen Mann und Frau zu negieren. Es gibt aber diese Unterschiede, und sie sind unbedingt zu fördern, denn diese Unterschiede sorgen im Austausch und in der Ergänzung für hervorragende Ergebnisse. Ich bin bei den "Geschlechtern" für mehr Miteinander als Gegeneinander! Was aber in Ihrer Frage mit "jenseits der klassischen Frauenberufe" angesprochen wird, läßt sich nur dadurch erreichen, daß wir schon Kindern und Jugendlichen das breite Feld der Möglichkeiten anbieten. Nur wenn sie sich in möglichst vielen Bereichen ausprobieren können, können sie später beruflich sicher entscheiden, was sie machen wollen und besonders gut können. Ich sage es mal so: Wenn Frauen seltener handwerkliche Berufe ergreifen, ist es auch unwahrscheinlicher, daß sie handwerkliche Betriebe leiten.

 

DHB: Sie gehören seit 1995 dem MIT-Bundesvorstand an. Was unternimmt die MIT, um Unternehmerinnen in Handwerk und Mittelstand zu unterstützen?

Dött: Die MIT kümmert sich um die Belange aller Mittelständler, und wenn wir ehrlich sind, unterscheiden sich unsere Anliegen im unternehmerischen und wirtschaftlichen Segment nicht von denen der Männer. Trotzdem haben wir, um die individuellen Erfordernisse besser zu kanalisieren, in der MIT vor kurzem verschiedene Ressorts mit besonderen Funktionen eingerichtet. In diesem Zusammenhang habe ich das Ressort "Unternehmerinnen" als Fachsprecherin übernommen. Was immer Sie als Unternehmerin im Handwerk und Mittelstand für Anliegen haben, kommen Sie einfach auf mich zu.

 

DHB: Wenn Sie als Vertreterin des Mittelstandes drei Wünsche an die Politik frei hätten – welche wären das?

Dött: Das ist einfach: (1) Abschaffung der Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge, (2) Vereinfachung der Steuerbürokratie und (3) generelle Abschaffung der Erbschaftsteuer – für private Erbschaften wie für Unternehmen.

 

 

 

Den Artikel finden Sie hier.

 

 

 

KLK

Zurück