Geschichte der Stadt Dinslaken

Die Ursprünge Dinslakens reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück. So wurde ein Kastell des Geschlechts "de Dincelachen" erstmals 1163 erwähnt. Dieses Kastell, dessen Reste des ursprünglichen Steinhauses in den Grundmauern des heutigen Kreishauses erhalten sind, wurde im 15. Jahrhundert zur Burg ausgebaut. Sie diente zunächst als Ruhesitz der Witwen der Grafen von Kleve, später dann als Drostensitz. Nachdem die Burg 1627 durch die Niederländer zerstört worden war, wurde sie im 18. Jahrhundert wieder als dreiflügelige Anlage mit Hauptturm und Zufahrt im Süden aufgebaut. Ein Wassergraben umschloß die Burg und eine weitere Insel, die als Ziergarten benutzt wurde und einen separaten Zugang hatte. Daß dieser Zustand nicht bis heute erhalten werden konnte, liegt an der fast vollständigen Zerstörung der Burg im Zweiten Weltkrieg. Unter Erhaltung einiger älterer Gebäudeteile wurde die Burg, in der seit 1984 das Rathaus untergebracht ist und deren 1934 eingerichtete Freilichtbühne als zentraler kultureller Veranstaltungsort der Stadt zählt, zwischen 1950 und 1952 wieder aufgebaut.

 

Bereits im Jahre 1273 wurde Dinslaken das Stadtrecht durch Graf Dietrich VII von Kleve verliehen. Der Graf wollte Dinslaken damit als Gegengewicht zum damaligen Erzbischof von Köln an sich binden, der seinen Einflußbereich zunehmend auf den Niederrhein ausdehnte. Im Jahre 1412 wurde Dinslaken schließlich ein "Wollenamt" verliehen. Das "Wollenamt" war eine Tuchmachergilde. Die Privilegierung der Stadt mit diesem Amt setzte voraus, daß mehrere Handwerker dieses Gewerbes in der Stadt lebten und ein Interesse daran hatten, sich eine feste Ordnung zu geben. Das Wollenweberamt ist damit eine der ältesten handwerklichen Vereinigungen in Dinslaken. In der damaligen Urkunde werden genaue Vorschriften über die zu benutzenden Kämme und Rahmen, über die Dichte des Gewebes, die Breite der Stoffbahnen, die Art des Färbens, über Weben, Walken, Rauhen und Scheren gemacht. Die fertigen Tuchbahnen mußten von den Werkmeistern geprüft und für alle Zuwiderhandlungen mußten Strafgelder bezahlt werden, über die die Werkmeister mit dem Bürgermeister jährlich abrechneten. Im Jahre 1478 erhielt Dinslaken dann auch das Marktrecht. So beruht der Wochenmarkt, der auch heute noch jeden Dienstag und Freitag auf dem Altmarkt abgehalten wird, auf diesem alten Privileg. Auf dem mittelalterlichen Markt wurden Butter, Käse, Öl, Honig, Heringe, Brot, Tuche und Garne, Leder und Flachs, Harnische und Waffen angeboten. Auf denjenigen, der gegen das Marktrecht verstieß, wartete mitten auf dem Marktplatz für alle gut sichtbar der Pranger.

 

Im Jahre 1480 wurde die dem Hl. Vincentius geweihte St. Vincentiuskirche als dreischiffige Hallenkirche schließlich fertiggestellt. Wenige Jahre später wurden an den Backsteinbau zwei Kapellen angefügt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche weitgehend zerstört, erhalten blieb jedoch der spätgotische Chor sowie die beiden östlichen Langhausjoche. Unversehrt blieb auch der Hochaltar aus dem 15. Jahrhundert, der in prachtvollen Schnitzereien und Bildern die Passion Christi darstellt. Dominiert wird das Innere des weiteren durch ein 2,5 Meter hohes Kruzifix, das vermutlich um 1400 gefertigt wurde.

 

An der Außenmauer der Kirche steht die Skulpturengruppe "Drei Kreuze" aus dem Jahre 1501, welches eines der bedeutendsten Werke Weseler Bildhauerkunst ist.

 

Im Jahre 1540 wird Dinslaken Hansestadt.

 

Seit 1603 existiert in Dinslaken auch eine reformierte Gemeinde, die in den Jahren 1649 bis 1653 die erste Kirche errichten ließ: die Evangelische Stadtkirche. Ein Brand zerstörte das Gebäude 1717. Wenige Jahre später wird die Kirche nach Plänen des italienischen Architekten Bartholomeo Salla neu erbaut. Es handelt sich hierbei um eine einschiffige Saalkirche aus Backstein mit Turm. Den Innenraum dominiert eine wertvolle Kanzel aus Eichenholz, ein Schnitzwerk des Weseler Künstlers Teodorus Snoeck aus dem Jahre 1723. Auffallende Kunstwerke sind außerdem zwei holländische Leuchterkronen aus dem 17. Jahrhundert sowie der dreiteilige Orgelprospekt.

 

Dinslaken ist auch bekannt für seinen Dichter Constantin Möllmann. Er wurde 1788 in Dinslaken geboren, und erblindete in seinem sechsten Lebensjahr als Folge einer Pockenerkrankung. Trotzdem gelang es ihm 1823 seinen ersten und einzigen Gedichtband zu veröffentlichen. Dieser erschien in mindestens drei Auflagen in verschiedenen Verlagen. Möllmanns Gedichte sind geprägt von tiefer Religiosität und Demut, von Empfindsamkeit für die Natur und die Menschen. Zu einem unbekannten Zeitpunkt zieht Möllmann nach Wesel. 1864 meldet er sich nach Essen ab. Dort verliert sich seine Spur.

 

1822 wird im heutigen Ortsteil Hiesfeld eine Windmühle eröffnet, in der sich heute ein Mühlenmuseum befindet, das tiefergehende Aufklärung über das Mühlenwesen liefert.

 

1839 wird Friederich Althoff, eine andere bedeutende Persönlichkeit Dinslakens, auf der Burg in Dinslaken geboren. Nach seinem Studium und seiner Tätigkeit in der Administration der Universität Straßburg, erfolgt 1882 sein Ruf in das preußische Kultusministerium. Ohne je ein Ministeramt innegehabt zu haben, galt er als die graue Eminenz des preußischen Kultusministeriums und als der "Bismarck des Hochschulwesens". Althoff starb am 20. Dezember 1908 in Berlin, ein Tag nach seiner Versetzung in den Ruhestand.

 

1850 zeigen sich auch die ersten Spuren der Industrialisierung in Dinslaken. So entsteht eine Leimfabrik, mit den Jahren auch eine Zündkerzenfabrik und ein Walzwerk. 1912 beginnt die Kohleförderung auf der Zeche Lohberg. Die Jahre des Ersten Weltkriegs sollen auch an Dinslaken nicht unbeschadet vorbeigehen. So werden 1915 Brotkarten für die Bevölkerung eingeführt und 1918 tritt ein Kreis-, Arbeiter- und Soldatenrat in Dinslaken zusammen, worauf der Rat der Stadt die Aufstellung einer Schutzwehr beschließt.

 

1930 fassen die Nationalsozialisten in Dinslaken Fuß. Die NSDAP gründet eine Ortsgruppe und kurze Zeit später organisiert sich die Hitlerjugend. Im November 1938 kommt es auch in Dinslaken zu Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung. Die jüdische Synagoge und das jüdische Waisenhaus werden zerstört, ebenso Geschäfte und Wohnhäuser jüdischer Bürger. Die jüdische Schule wird geschlossen.

 

Der Zweite Weltkrieg hat auch für Dinslaken verheerende Folgen. So laden am 23. März 1945 alliierte Flugzeuge in immer neuen Angriffswellen einen Bombenteppich über Dinslaken ab. Mehr als 800 Frauen, ältere Männer und Kinder kommen dabei ums Leben. Dinslaken wird zu mehr als 80 Prozent zerstört.

 

Nach dem schnellen Wiederaufbau nach dem Krieg und dem wirtschaftlichen Aufschwung braucht der Bergbau und die Industrie Arbeitskräfte. So kommen 1960 die ersten italienischen Gastarbeiter, später folgen Griechen, Koreaner und Türken. Heute zählt Dinslaken zu den wenigen Städten im Revier, in denen der Bergbau noch immer größter Arbeitgeber ist. Neben Handel, Handwerk und Dienstleistung sind außerdem stahl- und kunststoffverarbeitende Betriebe sowie Unternehmen aus der Industrietechnologie, Umwelt- und Verkehrstechnik sowie Textilindustrie angesiedelt. Kulturelle Mittelpunkte sind das Burgtheater mit Freilichtbühne, das Landestheater Burghofbühne des Kreises Wesel und das Museumszentrum Quadrat. Auch gibt es viele Natur- und Grünflächen in Dinslaken, so zum Beispiel den Rotbachsee und Hohe Mark; für Freizeitspaß sorgt die Trabrennbahn, einzige Halbmeilenbahn Deutschlands.